Offenstall Bautipps
Gewußt wie
Eine offen gelassene Stalltür und etwas Kordel machen noch keinen Offenstall. Für die Planung sind Zeit, Kreativität, Investitionen und ggf. auch der Rat von Experten notwendig.
Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die Funktionsbereiche (fressen, trinken, schlafen) räumlich streng getrennt sind und ausreichend Platz ohne Sackgassen und Engpässe zur Verfügung steht um insbesondere auch rangniederen Tieren ein stressfreies Dasein zu ermöglichen. Idealerweise gibt es ein Gebäude mit wenigstens 3m Deckenhöhe und mit mindestens zwei möglichst nach süd-osten gelagerten Türöffnungen. Pro Tier sollte im zugfreien Ruhebereich eine Fläche von ca. 7-9 qm zur Verfügung stehen. Ein befestigter Auslauf sollte jederzeit vom Ruhebereich zugänglich sein. Da der Innenbereich in aller Regel als Ruheraum dient, ist es sinnvoll hier nichts anderes als Ruhe anzubieten. Wasser, Kraft- und Raufutter sollten an anderer Stelle vorgehalten werden. Bei großen Gruppen sind 2 oder mehr Ruhebereiche sinnvoll, damit auch rangniedere Tiere Ruhe finden können. Raumteiler haben sich ebenfalls bewährt um die Fläche zu strukturieren und Ausweichmöglichkeiten für Rangniedere zu schaffen. Als Untergrund ist nicht fressbare Einstreu (gehäckseltes Stroh, Späne, etc) zu bevorzugen. Einstreulose Haltung auf blankem Boden oder auf Gummimatten – gleich welcher Stärke – ist abzulehnen und im Übrigen in einigen europäischen Ländern als tierschutzwidrig verboten. Für den Krankheitsfall oder die Integration eines neuen Pferdes in eine bestehende Gruppe empfiehlt sich mindestens eine „Notbox“. Die dort in Ausnahmefällen untergebrachten Pferde sollten unbedingt direkten Kontakt zur Herde haben und das Geschehen verfolgen können. Idealerweise befindet sich diese Box an einer von der Herde stark frequentierten Stelle. Der Außenbereich sollte von einem möglichst massiven, gut sichtbaren, mindestens 1,50 m hohen mehrreihigen Zaun umgeben sein.
Bei der Materialwahl sollte immer das mögliche Verletzungsrisiko bei Zaunberührung bedacht werden. Stacheldraht scheidet aus. Zur Arbeitserleichterung sollten Bereiche rund um Tränke und Futterbereiche befestigt (z. Bsp. gepflastert) sein Der weitere Auslauf sollte unbedingt matschfrei sein und daher mit einem Gefälle und/oder weitere Drainagemaßnahmen ausgestattet sein. Wechselnde weiche und harte Oberflächen wie Sand, Hackschnitzel, Beton usw. fördern widerstandsfähige Hufe. Zur weiteren Gestaltung und Beschäftigung bieten sich Bürsten, Knabberzweige, angeschüttete Hügel und Baumstämme. Insbesondere letztere tragen zur Förderung von Koordination und Trittsicherheit der Jungtiere erheblich bei. Die Fütterung im Offenstall spielt eine besonders wichtige Rolle, da das Futter einerseits den wichtigsten Anreiz für Bewegung darstellt und andererseits Futterneid die Hauptursache für agressive Auseinandersetzungen ist. Die tägliche Ration sollte in möglichst vielen kleinen Portionen erfolgen. Raufutter kann insbesondere bei homogenen Gruppen sehr gut aus großen Raufen oder durch einen Freßzaun gefüttert werden. Wichtig ist, dass immer mindestens ein Freßplatz mehr zur Verfügung steht, als Pferde in der Gruppe sind. Für die Kraftfuttergabe gibt es die arbeitsintensive Möglichkeit des Anbindens oder Umhängen von Futtereimern die pauschale Fütterung aller Tiere an einem langen Trog. Die gezielte und individuelle Versorgung mit Kraft- und Grundfutter ist in der Gruppenhaltung auf diese Weise nur schwer möglich. Deshalb setzt sich seit einigen Jahren die Verwendung von automatisierter Fütterungstechnik immer weiter durch. Neben flexiblen Arbeitszeiten und Futterersparniss sorgt diese Variante für deutlich mehr Bewegung durch 20-24 Futtergaben täglich. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Häufigkeit der Fütterung mehr Bewegung verursacht als besonders lange Wege zum Futterplatz. Die Tiere werden einzeln und individuell mit Kraftfutter und Raufutter versorgt. Die tägliche Futtermenge wird für jedes Tier an einem Zentralcomputer eingegeben und in Einzelfutterständen verfüttert. Es können verschiedene Sorten Kraftfutter und Mineralfutter verfüttert werden, so dass auch bei gemischtrassigen oder -altrigen Gruppen bedarfsgerecht gefüttert werden kann. Jedes Tier bekommt einen Transponder-Chip mit dem es durch einen Sensor am Futterstand erkannt wird. Da immer nur ein Tier Zutritt zum Stand hat kann jedes in Ruhe seine Portion freßen. Futterneider bleiben draußen. Die Anlage kann wahlweise bis zu 24h täglich in Betrieb sein und stündlich kleine Portionen verfüttern was den ernährungsphysiologischen Erfordernissen der Pferde sehr entgegen kommt. Die Tiere gewöhnen sich schnell an den Automaten und wissen bald wann es die nächste Portion gibt. Für den reibungslosen Ablauf der Fütterung sollten die Futterstände mit einer automatischen Austreibevorrichtung versehen sein, damit das dauerhafte Blockieren des Stands durch ein Tier vermieden wird und alle an die Reihe kommen. Wichtig ebenfalls eine blickdichte, flexible Eingangstür, damit dass fressende Pferd nicht aus der Station gedrängt wird, sondern in Ruhe seine Portion einnehmen kann. Bei gemischtaltrigen und -rassigen Pferden ist in der regel auch beim Raufutter eine individuelle Zuteilung durch Abruffütterung sinnvoll. Grundsätzlich bietet die Haltung im Bewegungsstall viele Vorteile für Pferd und Mensch. Neben gewissenhafter Planung erfordert dieses Haltungssystem kluges Managment und entbindet trotz flexiblerer Arbeitszeiten keinesfalls von Routinearbeiten wie Tierkontrolle und Futtervorlage. Der Einsatz technischer Hilfsmittel kann den Arbeitsaufwand entscheidend verkürzen und vereinfachen was schlußendlich den Tieren in Form von mehr Zeit für persönlicher Zuwendung zugute kommt. Entgegen landläufiger Vorurteile werden junge Pferde in dieser Haltungsform nicht menschenscheu sondern entwickeln sich zu aufgeschlossenen, leistungsbereiten und gesunden Pferden.
Quelle: Zucht - Das Magazin des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter 9/2008
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Quelle - Stallgeflüster